Sahra Wagenknecht: “10 + X ist das Ziel”
Konkrete Aussagen lassen sich Politikerinnen und Politiker ungerne entlocken – und das nicht nur in Wahlkampfzeiten. Zu groß erscheint das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt – natürlich dann, wenn es gerade überhaupt nicht passt – an diese Ziffer erinnert zu werden.
Sahra Wagenknecht, prominentes Aushängeschild der LINKEN in NRW, kennt solche Probleme jedenfalls nicht. Im Gespräch mit uns betont sie selbstbewusst:
“Das Wahlziel der LINKEN ist bundesweit 10 plus x. Dieses Ziel zu erreichen ist Ansporn und Triebfeder auch für meinen Wahlkampf.”

Sahra Wagenknecht, Quelle: sahra-wagenknecht.de
Das sitzt, das ist konkret und ein ehrgeiziges Ziel – zumindest in NRW. Hilfreich kann da eine ordentliche Wahlkampfstrategie sein. Um also dieses hochgesteckte Ziel erreichen zu können, wird die Bekanntheit genutzt – natürlich nur um letztlich Inhalte zu transportieren.
“Überregionale Bekanntheit verhilft vielleicht zu größerer öffentlicher Wahrnehmung – ich bin jedoch davon überzeugt, dass die vertretenen Inhalte letztendlich für die Wählerinnen und Wähler entscheidend sind. Die positive Resonanz, die ich auf den Straßen, bei Veranstaltungen und in Zuschriften erhalte, zeigt mir, wie wichtig es den Menschen ist, dass DIE LINKE eine andere Politik vertritt als die der neoliberalen Parteien. Viele Menschen fühlen sich von der Politik allein gelassen und sind sehr froh, dass es mit der LINKEN eine Partei gibt, die für ihre Interessen einsteht, die Hartz IV abschaffen will, die einen antimilitaristischen außenpolitischen Kurs vertritt und die für eine solidarische Gesellschaft eintritt, in der es um Ausgleich geht statt Profit für wenige.”
Das es im Wahlkampf auch gilt, diverse Vorurteile und Stimmungen zu bekämpfen, weiß Sahra Wagenknecht. Hier ist der direkte Kontakt zu den Wählern wichtig.
“Gerade weil DIE LINKE oft genug medial ausgegrenzt wird und vor allen Dingen über DIE LINKE in den meisten Medien ausschließlich negativ berichtet wird, ist es umso wichtiger, den Menschen Gelegenheit zu geben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Dies ist gut durch Veranstaltungen, Kundgebungen und Gespräche möglich, in denen die Vorstellungen und Positionen der LINKEN dargestellt und Fragen beantwortet werden. Ich höre sehr oft von Bürgerinnen und Bürgern, dass sie nie erwartet hätten, dass sie den Positionen der LINKEN so nahe stehen. Umso wichtiger ist es, vor Ort im Wahlkampf präsent zu sein und mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen.”
Vor Ort im Wahlkampf aktiv zu sein, kostet Kraft. Sahra Wagenknecht bestätigt dies, alle anderen Gesprächspartner ebenso, bis auf Laurenz Meyer, der schon direkt nach dem Wahlkampf Koalitionsgespräche plant. Sicherlich nicht mit Sahra Wagenknechts Partei. Und neben der Aufregung und dem Stress bleibt das Gefühl, eine aufregende Zeit erlebt zu haben.
“Wahlkampfzeiten sind immer sehr intensive Zeiten. Dazu gehört natürlich auch, dass sie sehr anstrengend sind. Aber neben all der Anstrengung, dem Zeitmangel, dem Dauerstress ist Wahlkampf auch die Zeit, in der man den intensivsten Kontakt mit Wählerinnen und Wählern hat. Die Heiserkeit, die der Wahlkampf oft mit sich bringt, hat damit zu tun, dass man den ganzen Tag in einem Austausch steht mit denjenigen, deren Interessen man nach der Wahl vertritt. Es ist daher immer auch eine sehr anregende und lehrreiche Zeit, die ich – trotz aller Anstrengung – deshalb nicht missen möchte.”